Karstadt als Spekulationsobjekt

Ein Lehrstück aus dem realen Kapitalismus. Unsicherheit bleibt auch in Hannover.

Der neue Eigentümer von Karstadt, Rene Benko ist Immobilienspekulant, kein Kaufhausbetreiber. Das Kaufen und Verhaufen von Grundstücken und Gebäuden ist seine Profitquelle. Deshalb ist auch seine erste Tat, sechs Häuser in den profitabelsten City-Lagen zu schließen.

Deutlich wird sein Geschäftsmodell am Beispiel Stuttgart. Diese Filiale arbeitet ohne Verlust und ist eine der umsatzstärksten im Konzern. Aber der Standort an der Flaniermeile Königstraße gehört zu Deutschlands Toplagen. Und gerade deswegen soll er geschlossen werden. Benko plant ganz offensichtlich, die zu seiner Sigma-Holding gehörende Immobilie meistbietend zu verkaufen.Irgendwelche Luxusgeschäfte werden sich mitten in der kaufkräftigen Schwabenmetropole sicher ansiedeln wollen.

Das zeigt deutlich, worum es Benko mit der Karstadt-Übernahme geht: um das schnelle Geld. Wäre ihm tatsächlich an einer Sanierung und einem dauerhaften Weiterbetrieb gelegen, würde er gerade das Stuttgarter Warenhaus als Modellprojekt für andere Stanorte nutzen und nicht verscherbeln. Statt desssen müssen andere Top-Lagen – und dazu gehört vielleicht auch der Betrieb in Hannovers Innenstadt – damit rechnen, ebenfalls als Immobilienobjekt gehandelt zu werden.

Auch sonst deutet alles in Richtung Immobiliengeschäft. Wer die Kaufhäuser wieder attraktiver machen will – und ein Vorteil gegenüber online-Lieferanten ist gerade die fachliche Beratung vor Ort – setzt nicht 3000 von insgesamt noch 17000 Beschäftigten auf die Straße. Dadurch wird der Service ausgedünnt und verschlechtert. Ist das vielleicht sogar Absicht?

Benkos Plan könnte sein, Karstadt so weit „gesundzuschrumpfen“, dass er die Reste gewinnbringend verkaufen kann.Das Unternehmen wird zerschlagen in Premiumstandorte mit Luxushäusern und Rest-Karstadt wird mit dem Konkurrenten Kaufhof verschmolzen und an die Börse gebracht. Damit wäre der Konzentrationsprozess im deutschen Einzelhnadel wieder ein Stück vorangebracht – auf Kosten der Beschäftigten und zum Nachteil der Konsumenten.

Die Forderungen des Konzernvorstandes gegenüber den Beschäftigten liegen bereits auf dem Tisch: Kürzungen tariflicher Leistungen wie z.B. Sonderzahlungen (Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld), die Erhöhung der Arbeitszeit von 37,5 auf 40 Stunden (natürlich ohne Lohnausgleich) und die Abkoppelung von zukünftigen Tariferhöhungen im Einzelhandel. Dabei gilt bereits seit 2013 eine bis 2015 befristete „Tarifpause“ für die Karstadt-Beschäftigten.

Für die Beschäftigten, die Betriebsräte und die Gewerkschaft verdi kann das nur bedeuten: Weitere Zugeständnisse bei Bezahlung oder Arbeitszeit bringen überhaupt nichts. Denn sämtliche Zugeständnisse und Verzichte in der Vergangenheit haben nicht zu einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation im Konzern geführt.

Widerstand ist angesagt!