Karstadt in der Endlosschleife der Sanierung

Für die Karstadt-Beschäftigten kommt jetzt also der nächste Sanierungsplan – der wievielte ist es eigentlich schon?
1400 Entlassungen sind beschlossen, das ist die Hälfte des ursprünglich geplanten Arbeitsplatzabbaus. Weiterhin wird der Lohn für weitere 1500 Beschäftigte um bis zu 500 Euro abgesenkt. Das ist eine Sanierung wieder auf Kosten der Beschäftigten. Es ist ein schwacher Trost, dass die Entlassenen von Juni 2015 bis Februar 2016 in eine so genannte Beschäftigungsgesellschaft wechseln können, wo sie ungefähr 80 Prozent ihres letzten Nettogehaltes bekommen.
Karstadt in Hannover ist ein Paradebeispiel für den Niedergang des Unternehmens: Im Jahr 1981 waren es 1978 Beschäftigte, 1993 noch 1478 und 2006 nur noch 557. Und die Verbliebenen verloren 2013 im Gesamtkonzern durch den Sanierungstarifvertrag 50 Millionen Euro an Gehalt. Insgesamt haben die Beschäftigten seit 2004 schon auf insgesamt 650 Millionen Euro verzichtet.
Und dass der neue Eigentümer, der österreichische Immobilienspekulant Benko, eher ein Interesse an den lukrativen Innenstadtgrundstücken als an florierenden Kaufhäusern hat, liegt nahe.
Die Situation bei Karstadt ist kein Betriebsunfall oder fehlerhaftes Management. Es liegt in der Logik kapitalistischer Marktwirtschaften. Der herrschende Wettbewerb führt zu Gewinnern und Verlieren. Bei einem Wettbewerb kann es nur einen Gewinner und viele Verlierer geben. Vor 20 Jahren gab es in Deutschland noch über 500 Warenhäuser, heute sind es noch 200. Diese teilen sich zwei Konzerne: Karstadt mit 80 und Kaufhof, der wiederum zu Metro gehört, mit 120 Filialen. Dies ist ein typischer kapitalistischer Konzentrationsprozess, wie man ihn auch aus anderen Wirtschaftsbereichen kennt. Die Verlierer hierbei sind in erster Linie die Beschäftigten, die entweder mit Lohneinbußen oder sogar mit ihrem Arbeitsplatz dafür bezahlen.
Wenn die Beschäftigten, ihre Gewerkschaft und der Betriebsrat nicht aktiv dagegen Widerstand leisten, wird sich zum Schluss die Kapitalseite durchsetzen. Es bleibt dabei:
Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren!