Der Steintorplatz muss frei bleiben!

Seit 2009 geistert das Vorhaben „Bebauung des Steintorplatzes“ durch die Prospekte der Stadt Hannover. Im Konzept für die Innenstadt City 2020+ wurde das Ver-scherbeln öffentlicher Räume beschlossen: Der Klagesmarkt, der Marstall und der Köbelinger Markt beim Ausländeramt, das abgerissen werden soll. Dummdreist steht in der Broschüre der Verwaltung: „Das ‚Übermaß’ an Fläche eröffnet viele Gestaltungsspielräume“. Anfang Oktober waren die fortgeschrittenen Verhandlungen der Stadt mit dem Düsseldorfer Unternehmen „Centrum“ in der HAZ bekanntgegeben worden. Nun sollen nach dem Willen der Stadtoberen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Der Bebauungs-plan fiel im Stadtbezirksrat Mitte am 16.11. jedoch durch. Nicht, weil der Bezirksrat das Projekt ablehnt, sondern weil Uneinigkeit im Detail bestand. Verwaltungsausschuss und Rat können allerdings anders entscheiden. Sowohl Rats-SPD als auch -Grüne sind prinzipiell für die Steintor-bebauung. Ganz egal, ob „nur“ eine Seite des Steintorplatzes bebaut werden soll (SPD) oder die Gebäude breiter sein sollen (Grüne) – wir sagen NEIN zu diesen Plänen.

Wir meinen: Der Steintorplatz muss frei bleiben – für Feste, Märkte, Kund-gebungen. Als Platz zum Verweilen und Ausruhen. Ratsparteien, Stadt und HAZ machen Stimmung für das Zubauen des Steintorplatzes. Die „Argumente“ sind allesamt an den Haaren herbeigezogen:

Behauptung:
„…er ist kalt und lieblos, eine Bebauung ist kein Verlust. “ (Ewald Nagel, SPD, zitiert in der HAZ)
Tatsache ist: Bislang bietet der Steintorplatz noch großzügigen Stadtraum, Freifläche für Veranstaltungen verschiedenster Art. Hier finden viele politische Veranstaltungen, große Beachvolleyball-Turniere und Marktschreier-Wettbewerbe u.a. statt. Der abgelegenere Goseriedeplatz ist dafür kein Ersatz.
Behauptung:
Es entsteht neuer Wohnraum. (Stadt Hannover, nach Bericht der HAZ)
Tatsache ist: In Hannover sind 39% der Mieterhaushalte – das sind 86.300 Haushalte – auf preisgünstigen Wohnraum angewiesen. Diese Wohnungen werden mit den aktuellen Bauprojekten (Klagesmarkt, Steintorplatz, Wasserstadt Limmer) zahlenmäßig nicht ansatzweise geschaffen. Gebaut wird für Vermögende, nicht für Arbeiter, Angestellte, Rentner, Studierende und Erwerbslose. Eine Sozialwohnungsquote für die Steintorplatzbebauung lindert angesichts des schrumpfenden Sozialwohnungsbestands der Stadt die Wohnungsnot kein bisschen – sie ist ein nichts weiter als ein Werbegag.
Behauptung:
„Dieser Platz wird seit 30 Jahren vernachlässigt“. (Martin Prenzler, Chef des Vereins der Kaufleute, zitiert in der HAZ):
Tatsache ist: Was unter „Vernachlässigung“ zu verstehen ist, ist je nach Interessenslage sehr verschieden. Offenbar hält der Verein der Kaufleute einen Platz erst dann für gepflegt, wenn er Profit für Immobilienhaie und Shoppingcenter abwirft. Laut HAZ sagt Café-Betreiber Massimo Dall’Asta, der erst im vergangenen Jahr 150 000 Euro in die Erneuerung seines Venezia-Pavillons investiert hat: „Mir wird der Boden unter den Füßen weggezogen, mein Lebenswerk wird vernichtet“.

Alle jetzt von Stadt, Unternehmen und HAZ aufgetischten „Argumente“ haben nur einen Zweck: Sie sollen das jetzt schon umstrittene Projekt ohne größere Proteste ins Ziel bringen. Davon werden ausschließlich Investoren, Immobilien- und Bauunternehmen, Handelskonzerne und Banken profitieren. Verlieren werden Mieter und die Bürger der Stadt, denen ihre öffentlich genutzten Plätze genommen werden.
Gegen diese Entwicklung müssen wir uns wehren – mit kreativem, massenhaften Widerstand!