Ihme-Zentrum – Investitionsruine als „Stadt in der Stadt“?

Als 1974/75 das Ihme-Zentrum errichtet wird, ist es doppelt so groß, wie in der ursprünglichen Planung von 1967 vorgesehen. Die damaligen Investoren, die Norddeutsche Landesbank (NordLB) und die Westdeutsche Landesbank (WestLB) verfolgten die Strategie des unbegrenzten Wachstums, auch des Profitwachstums.

Das ursprüngliche Konzept hieß „Stadt in der Stadt“ und sah eine Mischung von Wohnungen, Büros, Läden und Parkflächen vor. Kern war eine so genannte Shopping-Mall (Einkaufspassage) im ersten Zwischengeschoss, die man aus den USA nachahmen wollte. Kommerzieller Kern war ein Einkaufszentrum, aber nacheinander schlossen HUMA (1989), dann Allkauf und schließlich Saturn (2002); die Einkaufspassage war tot, das Konzept gescheitert.

Schließlich entledigten sich die Verantwortlichen aus Kommunal- und Landespolitik des Problems, indem sie im Jahr 2000 die Immobilie dem bayrischen Spekulanten Engel überließen. Der verkaufte mit Gewinn 2006 weiter an den internationalen Immobilieninvestor Carlyle-Group, die meldete 2009 für das Ihme-Projekt Insolvenz an. Schließlich ersteigert 2016 ein international tätiger israelischer Immobilienspekulant mit Firmensitz in Zypern das Ihme-Zentrum, das einen Schätzwert von nur noch 50 Millionen Euro hat, zu einem Schnäppchenpreis von 16,5 Millionen. Die Einnahmen aus den Wohnungsvermietungen betragen ca. 4 Millionen Euro pro Jahr, so dass der Kaufpreis nach vier Jahren schon wieder eingespielt wäre. So läuft Stadtplanung im Kapitalismus: Die Investoren haben das Sagen und den Profit. Die Stadt erbringt dafür die Vorleistungen. 

Was lehrt uns das? Wenn Immobilien zum Spekulationsobjekt werden, sind die Verlierer immer die Bewohner bzw. die Kommunen. Städtischer Grund und Boden darf nicht privatisiert werden; als Alternative gibt es andere Möglichkeiten, z.B. das Erbbaurecht oder verbindliche Nutzungsverträge. Sobald eine Kommune sich selbst enteignet, hat sie praktisch nur noch über Bebauungspläne indirekten Einfluss auf den Städtebau und ist sogar erpressbar durch die Privateigentümer, wenn diese mit Investitionsstopp drohen. Die Stadt könnte die Immobilie zurückkaufen und einen von der NordLB zu Null Prozent Zinsen gegebenen, vom Land bürgschaftlich gesicherten Kredit über die für eine Renovierung notwendigen 200 Millionen Euro für einen Ihme-Zentrum-Investitionsfond geben und damit einen Neuanfang ermöglichen. Ob das allerdings weiterhin unter dem Motto „Stadt in der Stadt“ funktioniert, muss bezweifelt werden. Linden braucht nicht eine Stadt nebenan; gebraucht werden erschwingliche städtische Wohnungen mit nicht zu erlöschenden Belegrechten.

Die grundsätzliche Haltung der Kommunisten beim Thema Wohnen und Stadtplanung bleibt: Öffentlich Bauen statt Private fördern.

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