Zu Tode gehetzt

Unter der Überschrift Motorradfahrer stirbt auf Flucht vor der Polizei berichtete die HAZ am 4. Juni vom Tod eines 23-jährigen Motorradfahres in Wunstorf. Nach diesem Bericht hatte eine Streife der Polizei über Funk gehört, dass ein Motorradfahrer ein Auto beschädigt haben sollte. Die Polizisten entdeckten den Mann und verfolgten ihn mit Blaulicht. Bei der Verfolgungsjagd verlor der Motorradfahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug, krachte gegen ein Verkehrsschild, durchbrach eine Mauer und fuhr gegen eine Hauswand, wo er tödlich verletzt liegenblieb.

Als die Polizei die Verfolgung aufnahm, lag gegen den Fahrer lediglich der Verdacht einer Sachbeschädgung vor. Er hatte niemanden gefährdet oder bedroht. Dieser an sich läppische Anlass reichte der Polizeistreife als Grund, den Mann in den Tod zu hetzen. Vom polizeilichen Grundsatz der Verhältnismäßigkeit der Mittel hatten die beteiligten Polizisten offenbar keine Kenntnis, dafür aber Sinn für “Action” mit ihrem Dienstfahrzeug. Der Vorfall wird auch dadurch nicht weniger schlimm, dass der HAZ-Bericht nachschiebt, der Mann habe keinen Führerschein gehabt und sei angetrunken gewesen.

Eine Polizei, die in ihren Reihen Leute hat, bei denen schnell die Sicherungen durchbrennen und die offenbar Spaß an der Hetzjagd haben, brauchen wir nicht. Ein Polizei, die nicht mit Augenmaß und Zurückhaltung für die Sicherheit der Bürger eintritt, sondern die aus geringfügigem Anlass mit blutiger Härte vorgeht, wollen wir nicht.

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