Manege frei im Zirkus Ihme-Zentrum!

Ihmezentrum

Wer sehen möchte, was die Ergebnisse von Banken und weltweit agierenden „Investoren“ sind, gepaart mit einer verantwortungslosen Städtepolitik, die meint, dass Kapital und Profit die Heilsbringer einer Stadtentwicklung seien, sollte einen Blick auf das Ihme-Zentrum in Hannover werfen.

Die Stadt Hannover zog sich 1970 aus der Planung und damit aus der Verantwortung heraus. Darauf folgte eine Investment-Gruppe der anderen.

Der neue Mann im „Zirkus Ihme-Zentrum“ ist jetzt Lars Windhorst. Zurück in der Manege nach zwei Pleiten und mehreren Anklagen wegen Betrugs und Veruntreuung, aus denen er sich freigekauft hat bzw. mit Bewährung davongekommen ist. Seine Partner und Förderer schätzen sein „Chancen-Risiko-Verhältnis“, sprich seine Bereitschaft, ein hohes Risiko bei Anlagen etc. einzugehen.

Als Chef der Sapinda-Gruppe möchte er nun der Intown ihre rund 80 Prozent der Anteile am Ihm

e-Zentrum abkaufen. Die Chancen stehen gut. Lars Windhorst wusste im Ratsausschuss zu überzeugen: In klar kalkulierender Weise trug er die alten Ideen seiner Vorgänger vor. Alle Verträge,  die mit Intown abgeschlossen wurden, sollen weiter Bestand haben. Der Unterschied? Das Innovative? Die Sapinda-Gruppe will mehr Geld investieren. Das gefällt. Kritische Fragen der Ratsherren blieben aus. Eine Frage hätte z.B. sein können, ob es bei der geplanten „Revitalisierung“ des Ihme-Zentrums bis 2022 bleibt? Die Stadt hatte dafür zuletzt im Gegenzug ihren Mietvertrag um 18 Jahre verlängert (mit Kosten von mindestens 2.000.000 Euro pro Jahr).

Die Stadt Hannover hat die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, wieder auf unbestimmte Zeit abgegeben und das Wohl und die Interessen der Bürger, der Eigentümer, der Mieter in die Hand einer Spekulationsfirma gelegt, für die das Ihme-Zentrum nur „einen Investitionsanteil von unter 5% ihres Investitionsvolumens“ darstellt (Zitat-Quelle: NP, 22.03.’19).

Nach fast 50 Jahren Herunterwirtschaften des Ihme-Zentrums zu einer Betonwüste müssen die Eigentumsverhältnisse geklärt werden. Die Überführung des multifunktionalen Gebäudekomplexes in die öffentliche Hand ist spätestens jetzt zu klären. Die Möglichkeit bestand und besteht.

Wie sähe das Ihme-Zentrum jetzt aus, hätte die Stadt Hannover nach der Insolvenz von den Kriegsprofiteuren der Carlyle Invest Group, dem dritten Investor, das Angebot der Berliner Landesbank angenommen und es für 1 symbolischen Euro erworben? Wie sähe die Zukunft des Ihme-Zentrums nach einer Enteignung z.B. auf Grundlage des Baugesetzbuchs (BauGB §87, §88) aus?

Für das Ihme-Zentrum gibt es keine Alternative – es muss investiert werden. Die Frage ist wie und in was! Dafür braucht es einen regulierenden und gemeinnützigen Apparat aus Politik und Öffentlichkeit. Alternative Ideen und Expertisen gibt es. Die Stadt könnte z. B. nach „Vorbereitenden Untersuchungen“ gemäß BauGB das Ihme-Zentrum als eine „städtebauliche Entwicklungsmaßnahme“ festlegen, für die es Städtebauförderungsgelder von Land und Bund gäbe. Experten für Stadtsanierung und die Fachleute der „Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum“ sehen hierin den bevorzugten Weg.

Das Ihme-Zentrum selbst wird das Zeugnis sein, welches die Stadt Hannover sich ausstellt – darüber, wie nachhaltig sie in sozialen und ökologischen Fragen gehandelt hat und welchen Stellenwert sie den Menschen gibt. Zu nennen sind hier die Schaffung und Nutzung von öffentlichen Plätzen, das Vorantreiben städtischer bzw. landeseigener Sozialwohnungen und vieles mehr. Eine innerstädtische Fläche von 285.000 m² nicht zu nutzen, sie brachliegen zu lassen, obwohl u. a. eine eklatante Wohnungsnot und ein ebensolcher Mangel an sozialen Einrichtungen wie Kindergärten und Pflegeheimen herrscht, ist mehr als zynisch. Eine Dekadenz, die nur der Kapitalismus hervorbringen kann.

Klar ist, dass in den heutigen neoliberalen Zeiten ohne organisierten Druck von Seiten der Bürger und fortschrittlichen Kräfte dieser Stadt keine gemeinwohlorientierten Ansätze im Ihme-Zentrum zu finden sein werden. Klar ist aber auch, dass die DKP Hannover ihren Beitrag dazu leisten wird und nicht wegschaut, wenn die Interessen der Allgemeinheit ignoriert werden und das Ihme-Zentrum wieder einmal nur ein Bereicherungs-Objekt für Spekulanten bleibt.