Dümmer geht immer: Schwarz-grüner Versuchsballon im Sommerloch

Jeder weiß, dass es Blödsinn ist und daraus nichts werden wird, aber man kann es ja mal versuchen, um sich wichtig zu tun und ins Gespräch zu bringen.

 

Im Juli gibt der „verkehrspolitische Sprecher“ der CDU-Ratsfraktion folgenden Vorschlag zum besten. Die Hildesheimer Straße soll zwischen Aegi und dem Südschnellweg zum „Pop-up-Radweg“ werden. Im Klartext heißt das, von den vorhandenen zwei Fahrstreifen je Richtung soll einer weg. Diese Fahrstreifen sollen „umgewidmet“ werden: Keine Autos mehr, sondern nur noch für Fahrräder zugelassen. Alles nur vorübergehend und zur Probe, versteht sich. Übrigens alles „wg. Corona“, weil dank der Pandemie ja weniger auf den Straßen los sein soll.

 

Die Hildesheimer Straße gehört zu den am stärksten befahrenen Straßen in Hannover. Schon jetzt ist es so, dass tagsüber die jeweils rechten Fahrstreifen eher eine Sonderhaltezone für die klotzigen Dreiachser der hannoverschen Abfallentsorgung, die Lieferfahrzeuge des Onlinehandels, d.h. von Post-DHL, DPD, GLS, UPS, Hermes etc., und von Handwerkerfahrzeugen werden, die einfach keine Parkplätze in der Nähe ihrer Kunden finden. Das kann man schlecht finden, oder auch nicht, zunächst ist es erstmal eine Tatsache.

 

Die Hildesheimer Straße ist die Erschließungsstraße für die südlichen Stadtteile Hannovers und erhebliche Teile Laatzens. Über den Südschnellweg kommen täglich noch tausende Fahrzeuge von Menschen hinzu, für die diese Straße ein Teil ihres Arbeitswegs ist. Unter diesen Voraussetzungen ist der Vorschlag des CDU-Mannes einfach nur dusselig oder er will bewusst das Verkehrschaos verschärfen und die Aggressionen im Straßenverkehr noch mehr in die Höhe treiben.

 

Hinzu kommt, dass die Hildesheimer Straße  in diesem Abschnitt passabel ausgebaute Radwege auf beiden Seiten hat. Soll es dann insgesamt vier Fahrstreifen für Fahrräder geben? Oder sollen die dann überflüssigen Radwege mit mobilem Stadtgrün, sprich Blumenkübeln, zugepollert werden? Vielleicht noch Platz für ein paar hundert High-Tech-Werbesäulen?

 

Es ist absurd einerseits Niedersachsen als „Autoland Nummer 1“ darzustellen, wenn es um Industrieansiedlung und Arbeitsplätze geht, aber den Autoverkehr in den Städten zu drangsalieren und zu verteufeln. Es ist für viele Menschen gar nicht möglich, ohne Auto zur Arbeit zu kommen. Und was soll Skandalöses daran sein, den Familieneinkauf mit dem Auto zu erledigen?

 

Eine vernünftige Verkehrsplanung, die von den Mobilitätsbedürfnissen der großen Mehrheit der Bevölkerung ausgeht, sollte in der Lage sein, einen wirklich leistungsfähigen öffentlichen Verkehrssektor zu entwickeln aber auch den „Individualverkehr“ sicher und zügig zu gestalten, anstatt Schein- und Hassgefechte zwischen „Radfahrern“ und „Autofahrern“ anzufachen.

 

Der Versuchsballon „Pop-up-Radweg“ zielt auf die bessergestellten sog. urbanen Mittelschichten, in denen die „Wähler*innen“ des grünen, rotgrünen oder rotrotgrünen Milieus vermutet werden, wo man bei netter Witterung in Vollausrüstung mit dem 2000-Euro-Bike ins Office heizt, während der CDU-nahe Citymensch wohl eher zum flotten E-Scooter Marke Scheuer tendiert. Hier könnte zusammenwachsen, was zusammengehört. So war‘s ja wohl auch gemeint.