Eine Politposse: Gilde und die SPD

Der TCB-Konzern mit Sitz in Frankfurt/Oder, ein Newcomer in der Brauerei-Branche, übernahm 2016 die Gilde-Brauerei vom weltgrößten Brauereikonzern Anheuser-Bush Inbev aus Belgien.

Der damalige OB Schostok (SPD) erkannte recht schnell die Vorzüge der neuen Eigentümer: „kompetentes und zupackendes Handeln“. Die Sorge der Arbeiter, dass das besagte zupackende Handeln sich auf die Kündigung des Haustarifvertrages beziehen könnte, teilte der Sozialdemokrat nicht. Handschlag, profitabler Medienauftritt und OB ab.

Seit 2016 stehen die Arbeiter der Gilde-Brauerei und die Gewerkschaft NGG im Arbeitskampf mit dem TCB. Ein kräftezehrender Marathon, der seinen Höhepunkt 2019 mit der Zerschlagung des Gildeunternehmens in vier Kleinstunternehmen fand, von denen zwei in die Insolvenz geführt wurden, was Arbeitslosigkeit für mehr als 60 Arbeiter bedeutet.

Über drei Jahre hat die Chefetage der Gilde mit legalen Mitteln Betriebsratsarbeit erschwert, sich wehrende Arbeiter schikaniert, erhebliche Lohndifferenzen durch Tarifverträge nicht angeglichen und die Belegschaft auf knapp die Hälfte reduziert.

Auch wenn die Vertreter der SPD und Grünen sich nun wieder medienwirksam neben die für ihre Lebensgrundlage kämpfenden Arbeiter stellen, kann nicht übersehen werden, dass sie außer schönen Worten den Werktätigen dieses Landes nichts zu bieten haben. Allein ein verbrieftes Recht auf Arbeit sowie ein umfassender Kündigungsschutz und entsprechende Unternehmerpflichten könnten daran etwas ändern, wären ein wirkungsvoller Schutz gegen gezielten Arbeitsplatzabbau. Das wäre Unterstützung im Arbeitskampf.

Oder: Die Stadt Hannover nutzt die Gunst der Stunde und kauft dem gebeutelten Konzern die Gilde -Brauerei für wenige Taler ab. Eine Hausbrauerei mit städtischen Angestellten sozusagen. Nicht möglich? Sehr wohl! Herr Oberbürgermeister Belit Onay müsste nur die Gilde-Brauerei genau wie den Flughafen oder die Messe AG für unverzichtbar für Hannover erklären. Für diese Unternehmen kann die Stadt aktuell mit um die 70 Mio. Euro bürgen, Geld ist also da. Eine Belit Onay Special edition Retter-Flasche wäre bestimmt auch noch drin.